Forschungsschwerpunkt

Ersatzteilmanagement


 



HEUREGA

Heuristikbasierte Ersatzteilbedarfsprognosen durch Nutzung organisationalen Wissens und anreizbasierte Abnehmerintegration


Ausgangsituation:

Aus der Pflicht zur Versorgung von Primärprodukten mit Ersatzteilen resultiert für produzierende Unternehmen die Notwendigkeit zur Sicherstellung der Ersatzteilverfügbarkeit. Voraussetzung hierfür ist die Erstellung von Ersatzteil-Bedarfsprognosen.

Hierzu existieren zahlreiche komplexe Verfahren, welche hohe Datenmengen und -güten verlangen. Trotzdem erfolgt die Ersatzteil-Bedarfsprognose in der Praxis aufgrund der häufig unzureichenden Datenlage letztlich oft intuitiv und ist stark subjektiv geprägt; das vorhandene Wissen zur Abschätzung der Ersatzteilbedarfe ist nicht expliziert. Zudem erfolgt die Bedarfsermittlung häufig rein vergangenheitsorientiert, Entwicklungen werden nur zeitverzögert nachgezeichnet.

In der Forschung existieren Ansätze zur Erstellung von Ersatzteil-Bedarfsprognosen mit hoher Prognosegüte, allerdings sind diese ersatzteilspezifisch und verlangen eine hohe Datenmenge und -qualität. Für kmU ist es aufgrund von Kapazitätsrestriktionen unmöglich, bei mehreren Tausend zu betreuenden Ersatzteilen, auch nur für einen Bruchteil solch spezifische Prognoseverfahren anzuwenden. Vielmehr ist es erforderlich, einfache Vorgehensweisen zur Verfügung zu stellen, welche mit geringem Aufwand hinreichend genaue Lösungen liefern (Heuristiken).


Projektziel:

Ziel ist die Entwicklung einer Vorgehensweise zur Erstellung heuristikbasierter Ersatzteilbedarfsprognosen unter Nutzung des organisationalen Wissens.


Angestrebte Ergebnisse:

Dokumentation der notwendigen Prozesse zur Einrichtung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses der Ersatzteil-Bedarfsprognosen und zur Explizierung, Weiterentwicklung und systematischen Nutzung des organisationalen Wissens

  • Beispielhafte Ersatzteil-Bedarfsprognosesysteme von kmU als Leitfaden
  • Möglichkeiten zur anreizbasierten Einbindung der Abnehmer in die Ersatzteil-Bedarfsprognosen
  • Heuristiken zur aufwandsarmen, aber hinreichend genauen Erstellung von Ersatzteil-Bedarfsprognosen für typische Ersatzteile


Die Lösung der Forschungsfragen erfolgt in sieben Arbeitspaketen:

In Arbeitspaket I werden die relevanten Einflussfaktoren zur Erstellung von Ersatzteilbedarfsprognosen ermittelt. Hierfür werden die Ersatzteile nach wesentlichen Merkmalen klassifiziert. Anschließend werden für diese Bauteile die relevanten
Einflussfaktoren ausgewählt und beschrieben.

In Arbeitspaket II werden die Zusammenhänge zwischen den Einflussfaktoren für die verschiedenen Bauteile untersucht und die Wirkzusammenhänge beschrieben. Hier ist es wesentlich, alle beteiligten Funktionsbereiche in den Unternehmen einzubeziehen, um die vorhandenen Informationen effektiv zu nutzen und vorhandenes Wissen zu dokumentieren.

In Arbeitspaket III wird untersucht, wie stabil einzelne Einflussfaktoren gegen äußere Einflüsse und welche Indikatoren geeignet sind, strukturelle Veränderungen (Strukturbrüche) anzuzeigen.

In Arbeitspakte IV werden die Möglichkeiten untersucht, durch entsprechende Anreize die notwendigen Daten (bspw. Verkaufsplan zugehöriger Primärprodukte, Planbedarf für Ersatzteile) von der nachgelagerten Stufe der Supply Chain zu erhalten.

In Arbeitspaket V werden die gewonnen Erkenntnisse kombiniert. Aus diesen Ergebnissen werden dann Heuristiken abgeleitet und dokumentiert. Ziel ist es, für die Anwendungsfälle, in denen Heuristiken gute Ergebnisse liefern können, den Unternehmen Entscheidungsregeln zur Verfügung zu stellen.

In Arbeitspaket VI werden die erstellten Heuristiken anhand historischer Daten der Unternehmen überprüft. Ziel ist es, die Genauigkeit der Verfahren und den tatsächlichen Zeitaufwand zur Erstellung der Bedarfsprognosen zu testen.

Arbeitspaket VII widmet sich dem Transfer der erarbeiteten Ergebnisse in die betriebliche Praxis. Hierzu werden Vorträge und Seminare angeboten. Des Weiteren wird ein Workbook erstellt, in dem für einzelne Bausteine Handlungshilfen und Vorlagen bereitgestellt werden.


Laufzeit:

Das Projekt startete am 01.08.2011 und endet am 31.07.2013.

Das IGF-Vorhaben 17224 N / 1 der Forschungsvereinigung Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik e.V. - GVB, Wiesenweg 2, 93352 Rohr wird über die AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung und -entwicklung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.


 

 

Förderer: